Worship – Dooom

Auch wenn es fundamentale Christen in den USA nicht wahrhaben wollen: Doom Metal besitzt seit jeher eine Affinität zum Religiösen – im mindesten zu dessen Bildsprache -, zu Kreuzen und Friedhofsstatuen, die zum festen Inventar zahlloser Cover und Booklets zählen. Wenn sich nun also eine Formation dieser quasikonstitutiven Zeichen in erhöhtem Maße bedient, ist die Gefahr nicht eben gering, dass man sich durch eine Anhäufung (vermeintlicher) Klischees zu einem Abziehbild bar jeden eigenen Charakters degradiert – es sei denn, man heißt Worship. Auf “Dooom”, ihrem zweiten Vollzeitalbum, schaffen es die Münchener, die gattungsspezifische Melange aus Apokalyptik und Religiosität in Ton und Bild in solchem Maße zu verdichten, dass ein eigener Kosmos voller Überhöhung und Bedingungslosigkeit entsteht, in dem Endzeitsehnsucht und das Sakrale nicht mehr von einander zu trennen sind. Auch wenn – oder gerade: weil sich die Band dezidiert misanthropisch gebiert, fällt es nicht schwer, “Dooom” als einen einzigen großen Gottesdienst zu hören, der keinen Widerspruch duldet.
Musikalisch wandelt die durch den Suizid eines der Gründungsmitglieder zum Duo geschrumpfte Formation dabei gekonnt auf Funeral Doom-Pfaden, ohne wie stilistisch ähnlich verortete Gruppen in die Keybordfalle zu tappen. Anders als etwa bei Shape of Despair versinkt nicht alles in einem großen matschigen Klangbrei, da “Effekte” wie beispielsweise Glocken sorgsam dosiert werden, aber gerade dadurch „funktionieren“ und die von der Gitarrenarbeit getragene Gesamtatmosphäre wirksam unterstützen. Genau dieser Minimalismus ist es, der “Dooom” außerordentlich gut zu Gesicht steht, findet in ihm doch die Ideologie ihre musikalische Entsprechung: Mit vereinzelten Drone-Elementen angereichert, bewegt sich das Album während seiner gesamten Spielzeit am alleruntersten Ende der Geschwindigkeitsskala, ohne einmal auszubrechen, ohne die beschworene Tristesse in Wut zu verwandeln, so dass “Dooom” wie aus einem Guss wirkt und in einem positiven Sinne repititiv ist, ohne allerdings auch nur ansatzweise sich dem Verdacht auszusetzen, beliebig oder ideenlos zu sein. Ästhetik und Inhalt gehen ineinander auf, tragen sich gegenseitig und lassen “Dooom” so zu einem gelungenen Beispiel (ideologisch wie stilistisch) totalitärer Kunst werden.
Rundherum großartig.
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