Schlossblick

Down In June – Covers…

Posted in Der Klang by schlossblick on September 2, 2008

Down-in-June-Cover

Coverbands haben nicht zu Unrecht einen eher zweifelhaften Ruf. “Coverband”, wie das schon klingt: nach Bierzelt, nach AC/DC- Pink Floyd- und U2-Epigonen, gescheiterten Mittvierzigern, die den Umstand, es als Musiker zu nichts gebracht zu haben, auf irgendeine Weise kompensieren müssen – kurz: Coverbands sind das Synonym für absolute Kreativitätsverweigerung, und ihre Erzeugnisse wären mit “Antimusik” adäquat umschrieben, wenn der Begriff nicht schon kulturhistorisch besetzt wäre.

Zum Glück ist aber nicht über alle Projekte, die sich an den Liedern anderer versuchen, ein solch hartes Urteil zu fällen. Auch wenn sie von der schieren Übermacht der reinen Nachspieler erdrückt zu werden drohen, gibt es doch die eine oder andere Formation, die es schafft, das ganze Potential auszuschöpfen, das das Konzept des so genannten “Covers” in sich birgt: Nicht plumpes Nachspielen, sondern kreatives Interpretieren heißt die Zauberformel – und Down In June sind jener raren Spezies zuzurechnen, die ebendies beherzigt. Sie begnügen sich anders als viele ‘eigenständige’ Genrebands (Stichwort :Of the Wand And the Moon: oder diverse Vertreter des deutschen Neofolk-Schlagers) nicht damit, Death In June stumpf nachzuahmen, sondern greifen zwar auf Melodien und Texte der Originale zurück, doch drücken sie ihnen einen ganz eigenen Stempel auf. So wird beispielsweise “Fall Apart” zu einem krachigen Postpunk-Stück, während sich “Rose Clouds of Holocaust” in eine loungige Jazznummer (wenn auch leider ohne Saxophon) verwandelt. Als grobe Konstante lässt sich ausmachen, dass die nicht zuletzt durch breite Keyboardteppiche mitunter recht flächig und wattig wirkenden Originale musikalisch zurückgenommen präsentiert werden: Alles ist ein wenig reduzierter, minimalistischer und dadurch klarer. So von allem Ballast befreit, entfalten die Lieder ihre ganze Wirkung und treten den Beweis an, dass das Vorhaben Down In Junes von Erfolg gekrönt ist: Man hört zwar die bekannten Songs, erkennt sie sofort als ‘echte’ Death In June-Stücke wieder, und dennoch hört man sie auf einer bestimmten Ebene zum ersten Mal, hört sie aus neuer Perspektive und erhört sie sich als ‘Gesamtkunstwerk Lied’ erneut, entdeckt Aspekte in den Interpretationen, die man im Original so nicht vermutet hätte, die ihm aber von Anfang an innewohnten. Down In June lassen die Fans in den Genuss kommen, Death In June nochmals entdecken zu dürfen, ohne dass ein schaler Nachgeschmack mangelnder Eigenständigkeit oder lieblosen Runterspielens der Stücke zurückbliebe – ganz im Gegenteil.

Wenn alles läuft wie geplant, erscheint “Covers…” noch Ende dieses Monats.

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